Nachgedacht: die Achterbahn

Jeder, der schon einmal in einer Achterbahn saß, kennt das Kribbeln im Bauch, wenn es bergauf geht und man es kaum abwarten kann, oben anzukommen. Geht es steil bergab, fühlt es sich an, als würde einem der gesamte Mageninhalt wieder hoch kommen und alles, was man tun kann, ist schreien. Aussteigen während der Fahrt geht nicht.

So ähnlich waren die letzten Monate: geprägt von negativen und positiven Gedanken, Stress und extremem Zusammenhalt – vor allem aber durch Warten. Immer wieder gab es Rückschläge und in unseren Köpfen drehte sich alles um dieses eine Thema, wir besuchten diesen einen Ort und beteten zu allen erdenklichen Göttern. Man könnte meinen, irgendwann ist die ganze Kraft erschöpft und alle; es geht nicht weiter. Das ist nicht der Fall. Wir haben es hier mit echten Kämpfern zu tun, jeder auf seine Art und Weise. Allen voran meine Oma, die Frau mit wahrem Durchhaltevermögen. Ich erinnere mich nicht einmal daran, dass sie sich jemals beschwert hätte, ihr würde etwas zu viel werden. Weder damals noch heute. Immer wenn ich niedergeschlagen nach Hause kam und entweder privaten Stress hatte oder mal wieder eine Jobabsage kassierte, machte sie mir Mut. „Das wird schon, das dauert halt ein bisschen länger bei dir.“ Ich wusste, das sind keine leeren Worte, sondern echter Glaube. Sie hörte zu und sah immer das Gute. Egal wie offensichtlich schlecht manche Menschen waren, ganz abgeschrieben wurden sie nie. Denn so ein unermüdlicher Glaube an das Gute ist stärker als alles andere. Heute stehe ich an ihrer Seite und bin der Meinung, das wird alles wieder. Wir lassen uns so viel Zeit, wie wir nun mal brauchen und geben nicht auf.

Das Wichtigste in dieser Zeit ist, dass man sich selbst nicht vergisst. Haushalt, Job und alle anderen Verpflichtungen sind natürlich zu erfüllen; eine Auszeit muss immer drin sein. Das kann ein Schaumbad oder ein gutes Buch sein. Ein Sparziergang oder ein Gespräch mit einer guten Freundin. Niemals dürfen wir all dem negativen Scheiß zu viel Platz einräumen. Nach Regen kommt Sonne und nach jeder Talfahrt geht es wieder Richtung Gipfel.

Es ist eine echte Geduldsprobe und auch die Erwachsenen müssen erneut lernen, dass eben nicht immer alles sofort geht. Manchmal muss sich jeder von uns in Geduld üben und Tag für Tag daran erinnern, positiv zu denken. Dafür müssen wir all unsere Wut und den Frust rauslassen. Es hilft, es laut auszusprechen. „Das ist alles eine riesengroße Scheiße.“ Ist das raus, sind Tränen vergossen, lassen wir die Achterbahn weiterlaufen und begeben uns auf die letzte Fahrt. Aufgehört wird erst, wenn wir ganz oben sind.

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